35,10,0,50,1
1,600,60,2,1000,5000,15,800
90,150,1,50,12,30,50,1,70,12,1,50,1,0,1,5000
0,1,0,0,2,40,15,5,2,1,0,20,0,1
ELW Neuenburg
ELW Neuenburg
ELW Neuenburg
Flächenbrand am Rhein
Flächenbrand
Flächenbrand
VRW Neuenburg
VRW Neuenburg
Waldbrand Zienken
Waldbrand Zienken
Waldbrand Zienken

Suche

Nächste Termine

  

Schadensabwehr als Berufung

Von Susanne Ehmann, Veröffentlicht Badische Zeitung am  30. August 2019

Der Gerätewagen Transport der Freiwilligen Feuerwehr Neuenburg, links davor das mobile Gerät der Notstromversorgung, ein weiteres tragbares befindet sich im Auto, im Vordergrund Versorgungsleitungen. Foto: Susanne Ehmann

 

NEUENBURG AM RHEIN. Extreme Unwetter, durch große Hitze ausgelöste Brände, Verkehrsunfälle, bei denen Menschen aus Autowracks befreit werden müssen: Die Freiwillige Feuerwehr hat dieser Tage ein straffes Pensum zu bewältigen. Und das alles ehrenamtlich, neben Beruf und Familie. Wie das funktioniert, hat die BZ bei der Feuerwehr Neuenburg nachgefragt.

Knapp 200 Einsätze hatte die Gesamtwehr Neuenburg im vergangenen Jahr, das sind deutlich mehr als die etwa 150 in den Jahren zuvor. Das Wetter scheint an den hohen Einsatzzahlen durchaus Anteil zu haben. "Wir sehen einen Schwerpunkt der Einsätze in Extremwettersituationen, in Unwettern und Hitze", sagt Andreas Grozinger, stellvertretender Kreisbrandmeister und Kommandant der Feuerwehr Neuenburg. Die Einsätze auf der A 5, die die Neuenburger übernehmen, weil ihre Gemeinde die der Autobahn nächstgelegene ist, seien dagegen mit etwa 30 pro Jahr relativ überschaubar – und das trotz des riesigen Verkehrsaufkommens.

200 Einsätze im Jahr, theoretisch also jeden zweiten Tag einer – es scheint schwer vorstellbar, dass viele Menschen dieses so wichtige Ehrenamt wahrnehmen wollen, das ihnen derart viel abverlangt. Doch Grozinger beruhigt: "Wir haben immer noch eine sehr hohe Zahl an Bürgern, die sich verpflichtet fühlen, sich für dieses Ehrenamt einzusetzen", sagt er.

Die Gesamtwehr Neuenburg etwa besteht derzeit aus 120 Einsatzkräften. Und die braucht es auch. Denn auf einen Löschzug, bestehend aus mehreren Fahrzeugen, kommen je nach Schadenslage 20 bis 30 Einsatzkräfte. Daher will gut geplant sein, wer tagsüber und wer nachts einsatzfähig ist (inklusive eventueller Ausfälle durch Krankheit), und wer wann in Urlaub ist.

Unter der Woche kommen tagsüber eher die zum Zug, die in der Nähe arbeiten, also unkomplizierter am Einsatzort sein können; nachts und am Wochenende die, deren Arbeitsstelle weiter weg ist. Wichtig ist aber, dass alle gleichermaßen Einsatzerfahrung sammeln können.

Unerlässlich ist dabei ein soziales Umfeld, das Rückhalt bietet: eine verständnisvolle Familie und ein Arbeitgeber, der hinter der zusätzlichen Aufgabe seines Mitarbeiters steht. Zwar gibt es gesetzliche Vorgaben: Laut Landesfeuerwehrgesetz muss ein aktives Feuerwehrmitglied für Einsätze vom Arbeitgeber freigestellt werden, auch angemessene Ruhezeiten nach Einsätzen sind dort festgelegt. Die Gemeinden sind zudem verpflichtet, dem Arbeitgeber die sogenannten Entgeltfortzahlungsleistungen zu erstatten, wenn die Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers durch den Feuerwehrdienst verursacht wurde. Eine verständnisvolle Atmosphäre macht es aber allen leichter. Denn ohne die Einsatzkräfte geht es nicht. Und niemand weiß, wer als Nächstes die Hilfe der Feuerwehr benötigt.

Erst ab einer Grenze von 100 000 Einwohnern in einer Kommune gibt es in Baden-Württemberg eine Berufsfeuerwehr. Dies sei auch gar nicht anders möglich, so Grozinger. Flächendeckend hauptamtliche Kräfte zu stellen, wäre zu teuer, sagt er. Aber Anerkennung dessen, was geleistet wird, und eine Entschädigung wünscht man sich, beispielsweise für Fahrtkosten, denn die Einsatzkräfte fahren unter anderem zu den Proben mit ihren Privatautos. Derzeit erhalten in Neuenburg lediglich die, die besondere Verantwortung tragen – Kommandanten und Führungskräfte – eine Aufwandsentschädigung.

Für die Feuerwehrleute selbst ist ihre Aufgabe Berufung, sagt der Feuerwehrkommandant. Nämlich Schaden abzuwehren, auch wenn der eine Einsatz nach einem normalen Arbeitstag am Freitagabend gegen 22 Uhr beginnt, um 7 Uhr am nächsten Morgen endet, die Wehr eine halbe Stunde später wieder alarmiert wird und bis spätabends beschäftigt ist. So wie bei dem schweren Unwetter Ende Juli. Drohen solche Extremwetterlagen, sind die Einsatzkräfte aber ohnehin sensibilisiert und halten sich bereit.

Weil die Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen immer wieder auch Situationen erleben, die psychisch belastend sein können, stehen bei Bedarf Fachkräften zur psychologischen Betreuung bereit. Ebenso kann fachärztliche Unterstützung in Anspruch genommen werden, was bei der Feuerwehr Neuenburg aber glücklicherweise noch nicht nötig wurde, sagt Grozinger. Manchmal helfe es schon, nach schweren Einsätzen miteinander zu reden. Und sich bewusst zu machen, dass man alles Menschenmögliche getan habe, um zu helfen.

Die Freiwillige Feuerwehr Neuenburg am Rhein besteht aus einer Kernortwehr und Abteilungen in den Ortsteilen Grißheim, Zienken und Steinenstadt. Insgesamt sind es 120 Einsatzkräfte (Mitglieder sind es deutlich mehr), zwölf Fahrzeuge stehen ihnen auf Gesamtgemarkung zur Verfügung. Es gibt eine Kinder- und Jugendfeuerwehr, eine Ehrenabteilung und einen Spielmannszug.

 

Free Joomla! template by L.THEME